Repräsentative Demokratie
Wen wählen wir?
Wähler bestimmen politische Vertreter. Die staatlichen Zuständigkeiten bestehen unabhängig davon weiter, welche Personen oder Parteien ein Amt übernehmen.
Kein Reformmodell
Die Selbstverwaltungsdemokratie versteht sich nicht als Verbesserung der repräsentativen Demokratie. Sie stellt die allgemeine staatliche Zuständigkeit grundsätzlich in Frage. Ihre Grundthese: Was Menschen gemeinsam brauchen, können sie grundsätzlich auch freiwillig organisieren, finanzieren, beauftragen und ersetzen – ohne eine Regierung, die automatisch für alle entscheidet.
Staat & Regierung
allgemeine Zuständigkeit
Grundmodell wechseln
nicht nur andere Personen wählen, sondern Zuständigkeit neu denken
Wahl & Gesetz
eine gemeinsame politische Entscheidung
Selbstverwaltung
freiwillige Zuständigkeit je Aufgabe
Keine allgemeine Regierung
Ein gemeinsamer Wohnort verleiht keiner Stelle Entscheidungsgewalt über seine Bewohner.
Aufgabe statt Amt
Menschen, Firmen oder Organisationen erhalten nur die Verantwortung und Befugnisse, die ihnen freiwillig übertragen wurden.
Unterstützung statt Zwang
Eine Lösung muss freiwillige Nutzer, Auftraggeber oder Unterstützer finden.
Kein Umbau der repräsentativen Demokratie
In einer repräsentativen Demokratie wählen Bürger Vertreter, die innerhalb einer staatlichen Ordnung politische Entscheidungen treffen. Die Selbstverwaltungsdemokratie setzt an einem anderen Punkt an: Zuständigkeit soll nicht aus einem politischen Amt oder einem Wohngebiet entstehen, sondern daraus, dass Menschen einer konkreten Person oder Organisation für eine bestimmte Aufgabe Verantwortung übertragen.
Repräsentative Demokratie
Wen wählen wir?
Wähler bestimmen politische Vertreter. Die staatlichen Zuständigkeiten bestehen unabhängig davon weiter, welche Personen oder Parteien ein Amt übernehmen.
Selbstverwaltungsdemokratie
Wem gebe ich für diese Aufgabe Verantwortung?
Eine Person, Firma oder Organisation erhält Unterstützung für genau die Aufgabe, für die Menschen ihre Lösung wählen.
Für eine andere Aufgabe kann gleichzeitig jemand völlig anderes zuständig sein. Eine allgemeine Regierung ist dafür nicht notwendig.
Wenn gemeinsame Vertretung gebraucht wird
Ein Denkmodell: Mehrere Energieversorger brauchen Gas. Der ausländische Lieferant möchte aber lieber mit einem einzigen Vertragspartner verhandeln, statt mit jedem deutschen Energieversorger einzeln. Dann könnten diese Energieversorger gemeinsam eine Organisation oder Firma gründen, die das Gas innerhalb des von ihnen vorgegebenen Spielraums einkauft und anschließend an die beteiligten Energieversorger weiterverkauft. Diese Organisation wäre aber nicht plötzlich auch für Straßen, Schulen oder Sicherheit zuständig.
Für Energie kann eine Organisation beauftragt werden, für ein Verkehrsprojekt eine andere und für eine Schule wieder eine andere. Sie müssen nicht Teil derselben Regierung sein.
Ein Auftrag kann enden, weil die Aufgabe erledigt ist. Ist sie noch nicht erledigt, können die Unterstützer nach den vereinbarten Regeln neu entscheiden, wenn die Organisation scheitert, Vertrauen verliert oder eine bessere Lösung unterstützt wird.
Keine Regierung als Gesamtpaket
In einer klassischen Regierung werden sehr unterschiedliche Aufgaben unter einem politischen Dach gebündelt. Im hier beschriebenen Modell kann für jede Aufgabe eine andere Person, Firma, Gemeinschaft oder Organisation Unterstützung suchen. Wer die überzeugende Idee hat, ist weniger wichtig als die Frage, ob Menschen diese Idee freiwillig tragen wollen.
Nicht das Amt macht eine Idee zuständig. Erst die freiwillige Unterstützung für eine konkrete Aufgabe macht aus einer Idee einen Auftrag.
Macht bleibt an Unterstützung gebunden
In repräsentativen Systemen sind politische Ämter und Zuständigkeiten an Wahlperioden und institutionelle Verfahren gebunden. Einzelne Wähler können einem Abgeordneten sein Mandat nicht einfach während der Wahlperiode entziehen.
Wer nur für eine konkrete Aufgabe unterstützt wird, kann diese Unterstützung nach den vereinbarten Bedingungen verlieren. Andere Anbieter oder Modelle können gleichzeitig um Vertrauen und Aufträge werben.
Eine Katastrophenschutzorganisation könnte zum Beispiel dauerhaft dafür finanziert und beauftragt sein, bei vorher klar beschriebenen Notlagen sofort zu handeln. Flexibilität kann also auch bedeuten, Zuständigkeit im Voraus so zu regeln, dass im Ernstfall kein neuer politischer Einzelbeschluss nötig ist.
Freiwillige Organisation beseitigt Korruption, Fehlentscheidungen oder Eigeninteressen nicht automatisch. Das Modell versucht stattdessen, ihre Folgen zu begrenzen: Wer enttäuscht, soll leichter Unterstützung, Kunden, Aufträge oder Zuständigkeit verlieren können.
Freie Konkurrenz um Zustimmung
Auf der Ebene des Gesamtmodells ist diese Koordination marktwirtschaftlich gedacht: Menschen entscheiden durch Nutzung, Finanzierung, Beauftragung oder Mitarbeit, welche Angebote sie tragen. Das schreibt trotzdem keine kapitalistische Lebensform für jede Gemeinschaft vor. Menschen können sich genauso freiwillig genossenschaftlich, solidarisch, gemeinschaftlich oder stark zentral organisiert zusammenschließen. Ein Ziel der Selbstverwaltungsdemokratie ist, gesellschaftliche Entscheidungen und Leistungen durch freien Wettbewerb um Unterstützung, das Wissen vieler Menschen und klar begrenzte Zuständigkeiten flexibler, günstiger und effizienter organisieren zu können. Ob und wo das gelingt, muss sich in der Praxis zeigen.
Politischer Wettbewerb
Mehrere Vorschläge – eine politische Entscheidung
Ideen konkurrieren um politische Mehrheiten. Am Ende gilt innerhalb der staatlichen Zuständigkeit die beschlossene Regel.
Wettbewerb um freiwillige Unterstützung
Lösung A
findet eigene Unterstützer
Lösung B
probiert einen anderen Weg
Zusammenarbeit
gemeinsam, wo es sinnvoll ist
Lösung C
bleibt eine weitere Möglichkeit
freiwillig
unterstützen
nutzen, finanzieren, mitarbeiten, wechseln
Gesellschaft entwickelt sich organisch
Das kann ein Fachmann sein, eine Firma, eine Organisation oder einfach jemand, der für ein Problem eine brauchbare Lösung sieht.
Menschen entscheiden selbst, ob sie Geld, Arbeit, Nutzung, Wissen oder eine andere vereinbarte Form der Unterstützung beitragen.
Erst wenn Menschen eine Lösung tragen, kann daraus ein Auftrag, ein Unternehmen, eine Gemeinschaft oder eine andere Organisation entstehen.
Was überzeugt, kann übernommen, kopiert, erweitert oder überregional angeboten werden. Was nicht überzeugt, kann Unterstützung verlieren und wieder verschwinden.
Die entscheidende Abgrenzung
Warum sollte eine gute Idee zuerst ein politisches Amt oder eine Mehrheit brauchen?
Welche Aufgabe braucht wirklich eine dauerhafte Regierung, die automatisch für alle zuständig ist?
Kann eine gemeinsame Vertretung nur für einen bestimmten Zweck entstehen und danach wieder verschwinden oder ersetzt werden?
Was verändert sich, wenn Menschen konkrete Leistungen direkt unterstützen, statt alle paar Jahre über ein politisches Gesamtpaket abzustimmen?
Weiterdenken
Die nächsten Seiten zeigen, wie freiwillige Unterstützung konkrete Zuständigkeit erzeugt, warum eine Zustimmung kein Blankoscheck ist und welche unterschiedlichen Organisationsformen innerhalb dieses Rahmens möglich bleiben.
Wie Menschen Aufgaben freiwillig organisieren können und wo die Zuständigkeit einer Organisation endet.
Welche einfachen Regeln verhindern sollen, dass aus freiwilliger Unterstützung wieder allgemeine Macht über andere entsteht.
Welche unterschiedlichen Projekte, Gemeinschaften und Organisationsformen Menschen ausprobieren könnten.