Was ist die Selbstverwaltungsdemokratie?

Menschen entscheiden selbst, wie sie zusammenleben wollen.

Im Modell der Selbstverwaltungsdemokratie entsteht Zuständigkeit durch freiwillig übertragene Verantwortung. Ein Wohngebiet verleiht keiner Regierung Entscheidungsgewalt über seine Bewohner. Menschen entscheiden freiwillig, welche Gemeinschaften, Projekte, Regeln und Organisationen sie unterstützen.

Gemeinschaft
Energie & Versorgung
Schutz & Sicherheit
Wohnen
Du entscheidest, was du unterstützt

du entscheidest

Du wählst, was du unterstützt und wem du Verantwortung überträgst.

freiwillig

Eine Mehrheit darf Außenstehende weder zur Teilnahme noch zur Finanzierung verpflichten.

offen

Unterschiedliche Lösungen können gleichzeitig ausprobiert und weiterentwickelt werden.

Die Idee in einem Satz

Nicht nur wählen, wer entscheidet – sondern selbst entscheiden, wem du etwas überlässt.

Menschen können gemeinsam Lösungen aufbauen, sie freiwillig finanzieren, nutzen oder mitgestalten – und andere Menschen können sich für andere Lösungen entscheiden.

Der formale Kern dahinter lautet: Keine Stelle hat das letzte Wort über alle Menschen. Verbindliche Regeln sind trotzdem möglich – aber nur dort, wo Menschen ihnen zugestimmt oder eine entsprechende Verantwortung freiwillig übertragen haben.

Wer entscheidet?

Eine Idee braucht Unterstützer – keine allgemeine Erlaubnis.

Menschen sind der Ausgangspunkt

Nicht eine Stadt, ein Dorf oder eine Behörde entscheidet von selbst. Menschen unterstützen konkrete Ideen und schaffen dadurch erst Gemeinschaften oder Organisationen.

Mehrere Lösungen können gleichzeitig entstehen

Eine Gruppe kann einen Bauhof finanzieren, eine andere einen einzelnen Dienst beauftragen und wieder andere können eine völlig andere Lösung entwickeln.

Verantwortung darf freiwillig abgegeben werden

Wer nicht jede Frage selbst entscheiden will, kann Fachleute, Unternehmen oder sogar eine stark zentral organisierte Gemeinschaft wählen. Selbstverwaltung bedeutet nicht, alles selbst machen zu müssen.

Abgrenzung

Was es ist – und was nicht.

Die Selbstverwaltungsdemokratie schreibt nicht vor, ob Menschen marktwirtschaftlich, genossenschaftlich, gemeinschaftlich oder ganz anders leben sollen. Entscheidend ist, dass ihre Regeln nur für die Menschen und Bereiche gelten, für die Zuständigkeit freiwillig übertragen wurde.

Es ist …

  • ein Rahmen, in dem Menschen unterschiedliche Lösungen freiwillig unterstützen können
  • offen für sehr verschiedene Gemeinschaften, Regeln und Organisationsformen
  • vereinbar mit verbindlichen Verträgen und langfristigen Verpflichtungen
  • darauf ausgerichtet, dass niemand aus einer begrenzten Zustimmung Macht über alle anderen ableiten kann

Es ist ausdrücklich nicht …

  • ein neuer Staat oder ein fertiger Gesellschaftsbauplan
  • eine politische Partei
  • ein verbindliches Wirtschaftsmodell
  • ein System ohne Regeln, Organisationen oder langfristige Verpflichtungen

Freiwillig heißt nicht unverbindlich

Freiwillig, aber verbindlich.

Freiwilligkeit bedeutet nicht, dass jede Zusage jederzeit folgenlos zurückgenommen werden kann. Wer zum Beispiel einen Vertrag für ein Jahr abschließt, kann sich freiwillig für genau diese Bindung entscheiden. Beiträge, Laufzeiten, Kündigungsfristen oder Haftungsregeln können verbindlich sein, wenn sie vorher bekannt und vereinbart wurden.

01

Frei entscheiden

Eine Person entscheidet, welcher Vereinbarung oder Gemeinschaft sie beitritt.

02

Bedingungen kennen

Umfang, Beiträge, Laufzeit und Regeln werden vorher vereinbart.

03

Verbindlich handeln

Innerhalb dieses vereinbarten Bereichs gelten die übernommenen Verpflichtungen.

04

Neu entscheiden

Verlängerung, Wechsel oder Austritt richten sich nach den vorher vereinbarten Bedingungen.

Wichtig ist die Grenze: Wer einem konkreten Vertrag, Projekt oder einer Gemeinschaft zustimmt, gibt damit keinen Blankoscheck. Neue Aufgaben oder neue Pflichten brauchen die Zustimmung, die dafür nach dem vereinbarten Modell vorgesehen ist. Außenstehende werden durch diese Vereinbarungen nicht verpflichtet.

Verantwortung abgeben

Du darfst auch entscheiden, nicht selbst zu entscheiden.

Manche Menschen wollen sich stark beteiligen. Andere möchten möglichst wenig Zeit mit Organisation verbringen und Aufgaben lieber an Fachleute oder eine Gemeinschaft abgeben. Beides passt in das Konzept. Entscheidend ist, welche Verantwortung tatsächlich übertragen wurde.

01

Sagen, was gebraucht wird

Zum Beispiel Winterdienst, Stromversorgung oder eine Schule. Zuerst ist klar, um welche Aufgabe es überhaupt geht.

02

Eine Lösung unterstützen

Menschen finanzieren, nutzen oder tragen die Lösung auf die vorher vereinbarte Weise.

03

Prüfen, ob es funktioniert

Kosten, Qualität und vereinbarte Leistungen können mit dem verglichen werden, was versprochen wurde.

04

Weiterführen oder etwas anderes wählen

Nach den vereinbarten Regeln kann Unterstützung fortgesetzt, verändert oder beendet werden. Andere Lösungen dürfen entstehen.

Ein Beispiel, keine Vorgabe

Was passiert, wenn Menschen einen Bauhof wollen?

Dann kann jemand diese Idee vorschlagen und Unterstützer suchen. Erst aus der freiwilligen Unterstützung entsteht die Organisation – nicht aus der Tatsache, dass Menschen zufällig im selben Ort wohnen.

Vielleicht entsteht ein großer Bauhof.

Wenn viele Menschen Straßenbau, Winterdienst und laufende Reparaturen gemeinsam organisieren wollen, können sie dafür dauerhaft Personal, Fahrzeuge und Maschinen finanzieren. In einer dicht besiedelten Gegend kann sich das als sinnvoll erweisen.

Vielleicht reicht ein viel kleinerer Dienst.

Wo nur gelegentlich etwas zu tun ist, könnten Unterstützer stattdessen einen kleinen Dienst für Schlaglöcher und Winterdienst finanzieren und größere Arbeiten nur bei Bedarf beauftragen. Das kann Kosten sparen, muss es aber nicht – welches Modell tatsächlich besser funktioniert, zeigt sich erst in der Praxis.

Vielleicht arbeitet die Organisation weit über einen Ort hinaus.

Eine Organisation könnte schwere Maschinen besitzen und ihre Leistungen vielen Orten oder einzelnen Auftraggebern anbieten. Eine gute Idee muss nicht an einer Gemeindegrenze enden. Entscheidend ist, wer das Angebot freiwillig nutzen oder unterstützen möchte.

Eine Mehrheit darf daraus keine allgemeine Zahlungspflicht machen.

Wenn viele Menschen einen Bauhof finanzieren, verpflichtet das die anderen nicht, ebenfalls zu zahlen. Auch eine Mehrheit für ein neues Straßenprojekt darf Nicht-Unterstützer nicht zur Finanzierung verpflichten. Welche Unterstützung dafür nötig ist, richtet sich nach den freiwilligen Vereinbarungen der Beteiligten.

Gemeinschaft A
Gemeinschaft B
gemeinsames Projekt

Zusammenarbeit ohne feste Grenzen

Zusammenarbeit kann klein bleiben – oder sehr groß werden.

Menschen und Organisationen können sich für einzelne Aufgaben zusammenschließen, Wissen teilen, gemeinsame Standards verwenden oder große Projekte zusammen finanzieren. Eine Stromversorgung kann zum Beispiel nur eine Straße versorgen oder Angebote für eine ganze Region machen.

Die Größe einer Organisation ist dabei nicht das entscheidende Kriterium. Eine große Organisation kann zum Konzept passen, solange ihre Zuständigkeit aus freiwilligen Beziehungen entsteht. Problematisch würde sie dort, wo sie daraus eine allgemeine Entscheidungsgewalt über Nichtbeteiligte ableitet.

Du musst nicht zu nur einer Gemeinschaft gehören

Für verschiedene Teile deines Lebens kannst du verschiedene Lösungen wählen.

Dieselbe Person kann für Energie, Bildung, Absicherung, Wohnen oder gemeinsame Projekte ganz unterschiedliche Organisationen wählen. Eine Mitgliedschaft in einer Gemeinschaft sagt noch nichts darüber aus, wem sie andere Aufgaben überträgt.

01

Nachbarschaft oder Wohnprojekt

Menschen können gemeinsame Aufgaben dort organisieren, wo sie leben – wenn und soweit sie das gemeinsam wollen.

02

Energie oder Absicherung

Ein Anbieter oder eine Gemeinschaft kann einzelne Leistungen lokal oder überregional anbieten.

03

Unternehmen oder gemeinsames Projekt

Menschen können gezielt genau das Vorhaben unterstützen, das sie sinnvoll finden.

04

Fachleute oder Verwaltung

Wer Organisation lieber abgibt, kann spezialisierte Anbieter oder auch eine weitgehend zentral geführte Gemeinschaft wählen.

Auch Mehrheitsentscheidungen oder starke Hierarchien sind innerhalb einer freiwillig gewählten Gemeinschaft denkbar. Menschen dürfen also ausdrücklich eine Ordnung wählen, in der sie nicht jede einzelne Frage selbst entscheiden.

Die Grenze bleibt einfach: Eine Mitgliedschaft, ein Vertrag oder eine Mehrheit verleiht keine Entscheidungsgewalt über Außenstehende. Wer Verantwortung nur für einen bestimmten Bereich übertragen hat, hat damit nicht sein übriges Leben mit übertragen.

Mögliche Werkzeuge

Es gibt keine vorgeschriebene Technik und kein vorgeschriebenes Wirtschaftsmodell.

Bitcoin, Versicherungen, Genossenschaften, Unternehmen, Fonds oder digitale Verträge können für einzelne Lösungen nützlich sein. Nichts davon gehört zwingend zur Selbstverwaltungsdemokratie. Menschen können auch ganz andere Werkzeuge verwenden.

Bitcoinandere WährungenSmart ContractsGenossenschaftenVersicherungenFondsSchiedsstellenInfrastrukturorganisationenVerbündetechnische Protokolle

Entscheidend ist nicht das Werkzeug, sondern die Beziehung: Wer nimmt freiwillig teil, welche Rechte werden übertragen und wo endet die Zuständigkeit?