Die 12 Grundprinzipien

Fast alles kann verschieden sein. Diese Grenzen bleiben.

Die Selbstverwaltungsdemokratie schreibt Menschen nicht vor, wie sie leben oder ihre Gemeinschaften organisieren sollen. Die zwölf Grundprinzipien beschreiben stattdessen, welche Grenzen eine Lösung einhalten muss, damit sie innerhalb des Konzepts bleibt.

Frei entscheiden
Nur vereinbarte Zuständigkeit
Zusagen gelten
Andere Lösungen bleiben möglich

12 Grundregeln

gemeinsam

Vieles darf verschieden sein. Diese Grenzen gelten für alle Modelle.

12 Regeln

Sie beschreiben die gemeinsamen Grenzen des Konzepts.

viel Freiheit

Gemeinschaften dürfen sich sehr unterschiedlich organisieren.

keine Pflichtlösung

Kein Wirtschafts- oder Lebensmodell wird für alle vorgeschrieben.

Was bleibt immer gleich?

Die Lösung ist offen. Die Grenze ihrer Macht nicht.

Eine Gemeinschaft darf marktwirtschaftlich, genossenschaftlich, solidarisch, religiös, technisch oder ganz anders organisiert sein. Sie kann klein sein oder Millionen Menschen umfassen. Entscheidend ist: Ihre Regeln gelten nur für die Menschen und Bereiche, für die ihr Zuständigkeit freiwillig übertragen wurde.

Eine große Organisation kann freiwillig gewählt sein. Eine kleine Organisation kann trotzdem zu viel Macht beanspruchen.

01 · Keine Stelle entscheidet für alle Menschen

Macht endet dort, wo die Zustimmung endet.

Diese drei Regeln beschreiben die wichtigste Grenze des Konzepts: Eine Organisation darf nur über das entscheiden, wofür Menschen ihr tatsächlich Verantwortung übertragen haben.

01

Niemand hat das letzte Wort über alle

Keine Regierung, Organisation, Plattform oder andere Stelle darf eine allgemeine Entscheidungsgewalt über alle Menschen besitzen.

Wichtig

Innerhalb einer freiwillig gewählten Gemeinschaft können trotzdem verbindliche Entscheidungen getroffen werden.

02

Es muss nicht eine Lösung für alle geben

Menschen können unterschiedliche Regeln, Finanzierungsformen, Gemeinschaften und Lebensmodelle wählen. Mehrere Lösungen dürfen gleichzeitig bestehen.

Wichtig

Eine Lösung kann für ihre Teilnehmer sinnvoll sein, ohne deshalb zur allgemeinen Regel für andere zu werden.

03

Ein Fehler soll nicht gleich alle treffen

Wenn verschiedene Aufgaben von verschiedenen Organisationen übernommen werden, kann ein Fehler stärker auf den betroffenen Bereich begrenzt bleiben.

Wichtig

Das verhindert Fehler nicht. Es soll verhindern, dass ein einzelner Fehler automatisch zur Lösung oder zum Problem für alle wird.

02 · Freiwillig heißt nicht folgenlos

Du entscheidest, worauf du dich einlässt.

Freiwilligkeit bedeutet nicht, dass Regeln oder Verträge bedeutungslos sind. Entscheidend ist, dass vorher klar ist, welcher Verpflichtung jemand zustimmt und wo sie endet.

04

Du entscheidest, wo du mitmachst

Menschen entscheiden selbst, welchen Gemeinschaften, Projekten, Angeboten oder Vereinbarungen sie sich anschließen.

Wichtig

Eine echte Wahl setzt voraus, dass andere Wege praktisch möglich bleiben und nicht nur auf dem Papier existieren.

05

Freiwillige Zusagen können verbindlich sein

Wer einem Vertrag oder einer Gemeinschaft freiwillig beitritt, kann sich an Beiträge, Laufzeiten, Regeln, Haftung oder ein vereinbartes Entscheidungsverfahren binden.

Wichtig

Auch Mehrheitsentscheidungen können vereinbart werden. Sie gelten aber nur innerhalb der Gemeinschaft und des vorher vereinbarten Bereichs.

06

Ein Auftrag ist kein Blankoscheck

Wer eine Aufgabe übernimmt, erhält nur die ausdrücklich dafür vereinbarten Befugnisse. Aufgabe, Dauer, Finanzierung und Befugnisse bleiben begrenzt.

Wichtig

Auch große oder dauerhafte Organisationen sind möglich. Entscheidend ist nicht ihre Größe, sondern wofür sie tatsächlich zuständig sind.

03 · Unterstützung muss veränderbar bleiben

Vertrauen kann bleiben – oder verloren gehen.

Eine Organisation soll nicht nur beim Start Zustimmung brauchen. Menschen müssen auch später prüfen können, ob sie sie weiter unterstützen wollen und welche Alternativen es gibt.

07

Unterstützung kann sich ändern

Finanzierung, Mitgliedschaft oder ein Auftrag können nach den vorher vereinbarten Regeln verlängert, verändert oder beendet werden.

Wichtig

Bei langfristigen Aufgaben können Fristen und geordnete Übergänge sinnvoll und verbindlich vereinbart sein.

08

Andere Lösungen müssen wirklich möglich sein

Menschen dürfen andere Anbieter wählen, neue Gemeinschaften gründen, Unterstützung verlagern oder eine eigene Lösung aufbauen.

Wichtig

Es reicht nicht, dass ein Wechsel theoretisch erlaubt ist. Er muss auch praktisch möglich sein.

09

Nicht nur vertrauen – auch prüfen können

Die Beteiligten sollen nachvollziehen können, welche Regeln, Kosten und Befugnisse vereinbart sind und ob die zugesagte Leistung erbracht wird. Welche Informationen sie dafür erhalten und wie vertrauliche Daten geschützt werden, wird vorher festgelegt.

Wichtig

Vertrauen bleibt wichtig. Es soll aber nicht größer sein müssen als nötig.

04 · Unterschiedliche Wege dürfen nebeneinander bestehen

Zusammenarbeit und Konkurrenz sind beide möglich.

Menschen können völlig unterschiedliche Modelle ausprobieren. Gleichzeitig können Organisationen zusammenarbeiten, wenn das für ihre Teilnehmer sinnvoll ist.

10

Zusammenarbeiten ist ausdrücklich möglich

Organisationen können Wissen teilen, gemeinsame Standards vereinbaren, Ressourcen gemeinsam nutzen oder für große Projekte Verbünde bilden.

Wichtig

Die gemeinsame Zuständigkeit bleibt auf die freiwillig vereinbarten Aufgaben und Beteiligten begrenzt. Die Zusammenarbeit verleiht keine Entscheidungsgewalt über Außenstehende.

11

Verschiedene Ideen dürfen gleichzeitig ausprobiert werden

Eine Idee darf klein anfangen. Andere Menschen können sie unterstützen, kopieren, verändern oder mit einer anderen Lösung konkurrieren.

Wichtig

Eine Idee braucht innerhalb des Konzepts nicht zuerst politische Macht über alle, bevor sie praktisch getestet werden kann.

12

Kein Wirtschafts- oder Lebensmodell ist vorgeschrieben

Marktwirtschaftliche, genossenschaftliche, solidarische, gemeinschaftliche, religiöse, technische und ganz neue Modelle können nebeneinander bestehen.

Wichtig

Der Rahmen legt nicht fest, welche dieser Möglichkeiten Menschen wählen sollen.

Passt eine Idee noch zu den Grundprinzipien?

Sechs einfache Fragen helfen beim Prüfen.

Die Fragen bewerten nicht, welche Lebens- oder Wirtschaftsform gewählt werden soll. Sie prüfen nur, ob Menschen freiwillig teilnehmen, welche Verantwortung sie übertragen und ob andere Lösungen tatsächlich möglich bleiben.

Frage 1 von 6

Darf jemand über Nichtbeteiligte entscheiden?

Bekommt eine Person oder Organisation Macht über Menschen, die ihr diese Verantwortung gar nicht übertragen haben?

Worauf achten?

Eine Organisation erhält nur die ausdrücklich vereinbarten Befugnisse. Zustimmung zu einer Aufgabe verleiht ihr keine allgemeine Entscheidungsgewalt über Außenstehende.

Miteinander arbeiten oder verschiedene Wege gehen

Verschiedene Lösungen können nebeneinander bestehen und trotzdem zusammenarbeiten.

Organisationen können gemeinsam handeln

Sie können gemeinsame Projekte finanzieren, Standards abstimmen, Wissen teilen oder Ressourcen gemeinsam nutzen, ohne deshalb zu einer einzigen Organisation zu werden.

Eine Gemeinschaft darf sich auch zentral organisieren

Wer sich freiwillig einer Gemeinschaft anschließt, kann auch Regeln akzeptieren, nach denen Mehrheiten, Vorstände oder andere Stellen intern entscheiden. Das gilt nur innerhalb der vereinbarten Zuständigkeit.

Die Grundprinzipien schreiben keine Lebensweise vor

Sie beschreiben, wann eine Organisation über ihre Teilnehmer entscheiden darf. Sie legen nicht fest, welche Wirtschaftsform, Religion, Lebensweise oder Organisationsform jemand wählen soll.